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Lightning 1 Evo

von Hopf

Nach den ABS-Bausätzen von Graupner wollte ich auch mal ein “richtiges” Rennboot aus GFK & Co. bauen. Zuerst dachte ich an ein Boot der Firma Kehrer Modellbau, aber ein Modellbaukollege machte mich darauf aufmerksam, dass die Geschwindigkeit bei einem Jet begrenzt sei. Meine Überlegungen gingen deswegen in Richtung “Baracuda” (Mono 1 / S7) von Hopf Modelltechnik… Da Karlo Hopf den Rumpf nicht im Shop hatte, rief ich an und erkundigte mich, wann sie wieder käuflich zu erwerben sei. Er sagte, die Formen seien kaputt und er werde keine Baracuda mehr herstellen - als Alternative nannte er mir die “Lightning 1 Evo”. Kurz darauf bestellt ich den Rumpf samt Akku und Kleinteilen.

Zwei Wochen später kam ein großes Paket bei mir an…

  • Rumpf Lightning 1 Evo
  • Viper 600 Blackrace 7,2 V
  • GP3700 SCHRU2 P&M 7er Inline (als Saddlepack 5:2 gelötet)
  • Klettband 50mm breit (selbstklebend) (1 m)
  • Cellpack 19 mm x 25 m
  • Messingrohr 4 x 3,2 x 500 mm
  • Silikonschlauch 3 x 7 mm
  • Hydro Carbon Prop 36 mm
  • Hydro Carbon Prop 37,5mm
  • Faltenbalg

Dazu kamen noch:

  • CTI Mimir II
  • Hitec HS-81 MG
  • Schulze alpha 440
  • und später 2 Packs 3700er Green Pepper (4+3) von BK

Lieferumfang von Bestellung bei Hopf

Nach einem Anruf bei Karlo war geklärt, dass die Lightning einen Flutkanal erhalten wird. In Netz fand ich allerdings nur spärlich Informationen über den Flutkanal der Lightning, sodass ich mir selber einen zimmern musste - als Anfänger: erster FK… na das kann ja heiter werden! Ohne 24h-Laminierharz versteht sich - der komplette Flutkanal wurde nur mit einem Wasserbad erwärmten Greven Epoxi-Bond 30 (und 160g-Glasfasermatten) geklebt.

L1E mit Malerkrepp umhuellt L1E FK-Anpassung 1 L1E FK-Anpassung 2 L1E FK Uebertragung Depron zu ABS

Um den Rumpf vor Harz u. ä. zu schützen, wurde er mit Malerkrepp beklebt - das kann man auch wieder leicht lösen. Die ersten Umrisse erstellte ich auf Pappe, diese übertrug ich auch Depron, da sich dies leichter bearbeiten lässt. Schlussendlich wurde die Depronschablone auf eine 1 mm ABS-Platte gezeichnet.

L1E FK einlaminieren 1 L1E FK einlaminieren 2 L1E FK einlaminieren 3

Zuerst fixierte ich das Endstück vom Flutkanal mit Sekundenkleber und laminierte es dann ein, da ich nachher nur sehr schwer daran kommen würde; aber auch so wars etwas Fingerakrobatik. Dann kam die FK-Seitenwand dran; nachdem diese fixiert war, laminierte ich diesen zuerst unten und 1-2 Tage später auch oben mit Harz und ein paar Streifen Glasfasermatte ein.

L1E FK am Heck oeffnen L1E FK am Heck oeffnen L1E FK am Heck oeffnen L1E FK am Heck oeffnen

Vorsichtig öffnete ich mit dem Dremel am Heck den Flutkanal; und ließ dann etwas Harz an der Kante entlanglaufen, damit der FK auch wirklich dicht ist.

Nach dem Flutkanal kam der Wellendurchbruch an die Reihe. Damit ich genauer zeichnen kann, entfernte ich das Malerkrepp am Heck und zeichnete die Bohrung mit einem dünnen Filzstift an (ca. 8 mm über dem Kiel). Die erste Bohrung erledigte ich gaaanz vorsichtig mit einem 1 mm-Bohrer und dann in 0,5 mm-Stufen weiter vor bis 3 mmm. Größere Bohrer kann ich nicht einspannen, sodass nun das Loch mit dem kegelförmigen Schleifer vergrößert wurde. Als dieser auch locker durchpasste, wusste ich nicht mehr weiter. Bis mir einfiel, dass im großen Werkzeugkasten meines Großvaters noch eine Reibahle schlummerte. Mit der gings dann weiter, bis ich das Stevenrohr bzw. das dickere Endstück davon, stramm durchstecken konnte.

Jetzt der Motorträger samt Position… ich entschied mich dafür, den Motor auf die Stufe zu setzen. Den Motorträger samt Motor fixierte ich mit Sekundenkleber und Microballons auf der Stufe, damit der Winkel vom Stevenrohr passte und auch die Kühlschlange nicht am Rumpfboden verklemmt war. Anschließend bohrte ich ein zusätzliches Lochpaar in den Motorträger - eine heiden Arbeit.

Jetzt wollte ich aber auch mal wie die Großen mit 24h-Harz rummatschen; also besorgte ich mir das Laminierharz von Greven (12 Euro) beim örtlichen Modellbauhändler. Nun kam es zum Einsatz: Harz mit einem Gewebestreifen. 24 Stunden später wollte ich voller Vorfreunde das Ergebnis betasten - Pustkuchen! Das Harz war nicht trocken; auch eine Woche später nicht. Bloß im Becher der Rest war steinhart… und ich hatte alles ganz genau abgewogen. Nach mehreren Testversuche stand fest, dass das Harz nicht in Ordnung war. Bei meinem Händler habe ich meine Situation erzählt und man gab mir eine Flasche Lackverdünnung von Graupner für lau. Damit sollte das restliche Harz im Rumpf zu entfernen sein.

In Hydroworld und Raceboats wird R&G gerne empfohlen und nach einem ausführlichen Telefonat mit R&G bestellte ich dort Epoxydharz L + Härter L als 280 g-Packung. Zusätzlich Baumwollflocken (1 Liter) und eine Rolle Kohlerovings. Bevor ich mit nochmal den Rumpf versaute, machte ich mit dem Harz von R&G zuerst eine Test auf Sperrholz: Harz pur, Harz mit Glas-Gewebe, Harz mit Microballons, Harz mit Baumwollflocken und Harz mit Glas-Gewebe und Microballons. Nach 24 Stunden war (zu meiner Freude) alles trocken - somit konnte ich mit dem Laminieren vom Motorträger und dem Verstärken des Rumpfbodens auf der Stufe mit einer Lage Glas beginnen. Der Motorträger wurde mit Harz und Baumwollflocken geklebt und anschließend bekam eine Lage Glas drüber.

Nun kam der Wassereinlass an die Reihe; ich durchforstete sämtliche Foren, Seiten mit Bauberichten, aber fand nie eine ausführliche Anleitung für den Bau des Einlass' der Wasserkühlung. Also musste ich mir selber Gedanken machen: ein Röhrchen, möglichst mit einer schrägen Wasseraufnahme sollte anschließend im 90° Winkel nach oben zeigen. Das mit dem rechten Winkel wurde dann doch nichts, da der Einlass sonst der Kühlschlange im Weg stünde.

Das mehrfach geknickte Röhrchen habe ich mit der Zange gebogen - über den Daumen gehts viel besser! Das längliche Röhrchen habe ich mit dem Dremel und Trennschleifer zurechtgesägt und dann mit dem Kegelschleifer entgratet. Letzteres Rohr, nur mit etwas länger, habe ich dann auch verbaut. Also zwei Löcher mit dem 2 mm-Bohrer bohren, dann vorsichtig aufschleifen, bis der Einlass passt. Dann Sekundenkleber nehmen und den Einlass im eingebauten Zustand damit etwas beträufeln - wenns noch nicht hart ist, ein paar Microballons drauf tüpfeln, da diese mit dem Sekundenkleber reagieren und die Klebestelle ganz schnell fest werden lassen.

Der Auslass kam auch gleich dran - ist ja nicht so viel Arbeit wie der Einlass: Lochbohren, sodass das Messingrohr gerade so durchpasst und plan mit der Rumpffläche ist; Sekundenkleber drauf; 10 Minuten warten und dann Harz mit Baumwollflocken drauf. Hier gibt es noch etwas zu beachten: Wenn der Auslass etwas weiter raus steht, kann man ihn gut für den Tauchtest mit einem Silikonschlauch verwenden. Aber wenn man dann Rennen fahren will, sollte er lieber weiter plan gebaut werden, da bei einem Crash sonst ein anderes Boot bestenfalls nur Kratzer abbekommt.

So, das Stevenrohr samt Welle, Motor und Kupplung montierte ich soweit, doch als ich die Welle rausziehen wollte, hing plötzlich das Kugellager dran. Ich versuchte es ab zu drücken, schieben, schlagen… doch es bewegte sich nur minimalst. Hanjo bot mir an, eine Welle samt Kugellager zu schicken. Ich sagte zu und das Paket war rasch da - alles passte zu meiner Zufriedenheit. Deshalb rührte ich mir gleich Harz mit ein paar Microballons an und goss den Heckspiegel mit dieser Masse aus. Übrigens, das Stevenrohr schaut hinten rund 50 mm raus- bei einer Höhe von ca. 0,75 mm über der Tischkante.

Als nächstes kam der Servohalter an die Reihe; er soll eine stabile Halterung für das Servo sein und das Deck abstützen. Die Muttern für die Servobefestigung (M2,5) fixierte ich mit Sekundenkleber und harzte sie vorsichtig mit Baumwollflocken ein, damit kein Harz in das Gewinde läuft. Als Gestänge wird 2 mm Stahl zum Einsatz kommen, der an beiden Seiten mit einem Gestängeanschluss befestigt wird.

Währenddessen bohrte auch schon die Löcher für den Notaus, Ruderausleger, Turnfinhalter und Rudergestänge. Eigentlich wollte ich die Bohrlöcher des Ruderauslegers á la Matthias Lenk (Silver) machen, aber das funktionierte bei mir nicht so richtig, sodass ich mich mit einem Geodreieck bewaffnet des Heckspiegels annahm. Durch den schrägen Spiegel konnte ich die Löcher nicht so genau anzeichnen, sodass das Ruder nun etwas schräg steht. Den Alu-Turnfinhalter (3 mm dick) von Karlo kürzte ich etwas, damit er noch gerade so auf die rechte Seite passte. Um eine möglichst plane Auflagefläche zu erhalten, schliff ich das Heck noch etwas glatt. Die Löcher für die Schrauben im Halter nicht vergessen!

Nach der Ausrichtung des Ruders wurde der Servohalter fixiert und dann 24h-Harz und Baumwollflocken eingeklebt. Die Antenne wollte ich abnehmbar machen, sodass beim Transport nichts großartig über dem Deck in die Höhe ragt. Ich entschied mich für 2 mm Goldstecker, da diese einfach zu löten sind und gleichzeitig kontakt- und vibrationssicher sind. Loch bohren, einpassen und fixieren. Die Stecker natürlich bis auf die oberen Millimeter einschrumpfen. Dann wurden die beiden Notausbuchsen (4 mm Goldstecker) und die Antennenbuchse mit Harz und Baumwollflocken eingeklebt.

Der Deckel musste noch an der kaum erkennbaren Umrisslinie ausgeschnitten werden. Alles wurde ins Boot gestopft und mit Cellpack zugeklebt - dann ab in Badewanne zum Funktions- und Flutkanaltest. Mit ganz wackeligen Knien gings dann zum nahegelegenen Weiher. Notaus dran und kopfüber ins Wasser um von vornherein den Flutkanal zu testen - achja, ich hatte noch zu Hause ein 4 mm Entlüftungsloch (3 mm-Bohrer + Schleifkegel) in die Stufe auf Höhe des Flutkanals gebohrt. Der Flutkanal funktioniert auch am Weiher zufriedenstellend und ich gab vorsichtig Gas. Die ersten Meter trimmte ich die Lenkung auf eine ungefähren Geradeauslauf, aber dann konnte ich mich nicht mehr halten - Knüppel auf den Tisch! Das stolze Grinsen ging die nächste Stunde nicht mehr weg. Die Lightning fuhr etwas nass (d.h. die Nase hob sich noch nicht genug aus dem Wasser), aber sie fuhr und für meine Verhältnisse angenehm schnell (ca. 35 km/h); siehe Youtube-Video.

Nach einigen Fahrten habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Lightning mit einem K36 und K34,5 perfekt fährt. Der K37er fördert nur mehr Flipps.

Ein kleiner Nachtrag: ich fuhr in Moers (23.06.2007) BK Green Pepper 3700 gelötet als 4+3 Saddlepack. Die GP 3700er, die man oben in den Fotos erkennen kann, haben praktisch keinen Druck (schlechte Behandlung meinerseits), von der Kapazität ganz zu schweigen (ein halbes Jahr (und noch mehr!) liegen lassen); außerdem verändern sie den Schwerpunkt nicht gerade positiv.

Nach mehreren Fahrt fiel mir auf, dass immer Wasser in den Rumpf eingedrungen war. Ich nahm zuerst den Regler vom Kühlkreislauf und anschließend sogar den Motor. Es zeigte sich, dass einerseits in der Kühlschlange ein Loch und der Kühlschlauch undicht war. (Was nicht heißt dass dies überall so ist; es war nur bei mir so!) Ich wickelte mir aus einem Alurohr die Kühlschlange neu (vorher mit feinem Sand füllen, damit das Rohr nicht einknickt) und siehe da - das Modell war trocken. Der neue Kühlschlauch ist jetzt ein ganz normaler Gummischlauch für Verbrennerflugzeuge. Zuvor hatte ich übrigens noch mit einer heißen Stecknadel ein ganz kleines Loch in die Rumpfspitze gebrannt, damit ein Druckausgleich stattfinden kann.

Nach dem Rennen 2007 in Mönchengladbach habe ich mir die S7-Wellenanlage von Karlo Hopf bestellt und eingebaut. Den Motor habe ich hierbei vor die Stufe gesetzt, damit der Wellenwinkel flacher wird. Auch das Stevenrohraustrittsloch habe ich mit Harz und Baumwollflocken zugemacht und neugebohrt, da das alte Loch viel zu hoch platziert gewesen ist. Das Harz auf dem Motorhalter habe ich zuerst mit dem Dremel und schließlich mit einem 80 Watt-Lötkolben von dem Rumpf lösen können. Den neuen Halter, jetzt endlich auch mit Langlöchern, habe ich wie ein rohes Ei behandelt und vorsichtig einlaminiert: zuerst mit eingebauter Wellenanlage mit Sekundenkleber und Microballons fixiert und anschließend von vorne ein Harz-Flocken-Gemisch untergeschoben bis es hinten wieder herausquillt. Zuletzt habe ich eine Lage (oder warens zwei?) 160er Glas drüberlaminiert. Achja, der Motor bekam noch eine Kühlklemme spendiert, damit die Welle wie oben beschrieben flach auslaufen kann.

Die Kanten sind alle geschärft und das Unterschiff mit Nigrin Feinspachtel zugespachtelt.

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  • Last modified: 2020/05/14 00:11